Wie Weihnachten

Gestern abend wollte ich ja eigentlich früh ins Bett gehen.

Aber es kam ganz anders…

Wir hatten tagsüber die hochschwangere Kuh Lovissa in den Stall getrieben, damit sie da ist, wenn das Kälbchen kommt, und das nich irgendwo auf der Weide bekommt.

Und da es recht akut schien mit der Geburt, haben wir schon Nachtschichten ausgemacht, wer wann nach ihr schaut.

Da kommt abends plötzlich Jonas angerannt und meint, dass es keinen Grund mehr gäbe, heute nacht aufzustehen, wir sollten alle mal mitkommen.

Ja, die Geburt hatte also gerade begonnen und wir durften alle live dabei sein.

Noch dauerte es und wir haben uns nach einem ersten Blick auf Lovissa erstmal einen schönen Tee gemacht, ganz im Hebammenstil. Allerdings sind wir nicht dazugekommen ihn gleich zu trinken, denn es ging dann doch schneller als erwartet richtig los.

Lovissa war ganz ruhig und hat gar nich geschrien, sondern nur geschnauft.

Jonas hat geholfen zu ziehen, damit Lovissa es einfacher hat. Letztendlich haben sie dann zu zweit gezogen und Lovissa hat dann doch ein paar Stöhner von sich gelassen, bis das Kälbchen dann endlich das Licht der Welt bzw. das Licht der Taschenlampe erblickt hat.

Es war so winzig und voller Schmodder. Und ganz süss vor allem.

Und es war dunkel und still und wir standen alle ganz andächtig im Kuhstall um ein Baby herum. Das war wirklich wie Weihnachten… sogar die Nachbarspferde standen direkt am Zaun und haben zugekuckt.

Und jetzt isses da und hat noch keinen Namen (es ist ein Mädchen) und hoppelt schon ganz munter herum.

Die Fotos sind von heute. Da is das kleine also schon eine Nacht alt.

Fotos

So. Wer mehr Fotos sehen mag von meiner ersten Woche in Schweden, der möge sich welche auf Heikos blog anschauen. Da gibts Fotos Teil 1, 2 und 3.

Die von Teil 1 und 2 hab sogar ich geschossen…

Apfelsafttag

Heute war Apfelsafttag.

Ein Freund vom Hof hat nämlich eine Apfelpresse gebaut.

Entstanden ist die Idee an einem Abend, an dems Apfelsaft zu trinken gab und entsprechender Freund zu Besuch war, und wir rumgesponnen haben, dass es doch cool wäre, wenn wir selber Apfelsaft pressen würden.

Und daraufhin hat Niklas dann seine hydraulische Presse, die er eigentlich zum Schmieden benutzt, zweckentfremdet und uns zum Apfelsaftmachen eingeladen.

Es hat grossen Spass gemacht.

Wir haben die Äpfel zuerst gewaschen und dann halbiert und durch eine Küchenmaschine gejagt, die sie zerschreddert hat.

Dann wurden sie auf die Presse gelegt und gepresst.

Der Saft, der herauskam wurde erhitzt, genauso die Flaschen, in die der Saft dann hineinkam.

Saft in Flasche, Kronkorken (ich weiss jetzt auch, wie Kronkorken auf schwedisch heisst :) ) drauf und fertig.

Über 40 Liter haben wir versaftet!

Und tatsächlich sind uns die Flaschen, bzw die Kronkorken ausgegangen, bevor alles gepresst war. Jetzt müssen wir wohl aus dem Rest einen Apfelkuchen backen… oder zwei…

Fisch

Vor einigen Tagen servierte Jonas uns Surströmming, diesen berüchtigten schwedischen fermentierten Fisch. Man isst ihn mit Brot, auf das man gekochte Kartoffel und Zwiebelringe legt. Und dann eben noch ein Stückchen von diesem Fisch. Und dazu trinkt man dann einen bestimmten Schnaps, zu dem man jedesmal ein Trinklied anstimmen muss.

Da er so furchtbar stinkt wurde der Fisch draussen geöffnet und man musste rausgehen, um sich davon zu nehmen.

Ich hatte als Vegetarier zum Glück ne gute Ausrede, nicht davon probieren zu müssen :) Aber es war sehr lustig die Gesichter derer zu beobachten, die das zum ersten mal probiert haben. Es haben auf jeden Fall nicht alle aufgegessen…

Das, was übrig blieb, wurde dann am nächsten Tag tief in die Erde vergraben…

Meinen Beruf…

… ich werde ihn einfach nicht los. Auch nicht hier in Schweden auf dem Bauernhof.

Vanessa, eine amerikanische Wwooferin (Mehr zu wwoof findest du hier) möchte unbedingt deutsch lernen. Da hab ich ihr angeboten, ihr das etwas beizubringen. Unsere erste Stunde hatten wir heute nach bzw. während dem Frühstück. (Wobei “während” ja den Genitiv verlangt…) Den Genitiv zeige ich ihr der Vollständigkeit halber auch, aber immer mit dem Zusatz, dass man so im Alltag eigentlich nicht spricht und wie man das dann slang-mässig ausdrücken würde. Ihre Reaktion war: “Oh. gut, dass ich nicht auf ner Sprachschule deutsch lerne. Da würde ich das bestimmt mit Genitiv lernen und würde dann so reden und hätte dann keine Freunde, weil ich so komisch rede.”

Leben und Tod…

… liegen so nah beieinander…

Heute haben wir ordentlich getötet. Ein Huhn und 4 Bäume.

Ich selbst habe bei allem nur zugeschaut. Und ich möchte beides nicht selbst tun müssen…

Das Töten des Huhnes war gar nicht mal so schlimm… schlimmer fand ich, dass das Ausnehmen in der Küche stattgefunden hat. Auf dem Tisch, auf dem ich normalerweise mein Butterbrot liegen habe…

Das Ausnehmen war schon eklig.

Beim Bäumefällen fand ich das “Töten” schlimmer als das “Ausnehmen”.

Nachdem die Bäume gefällt waren, habe ich mitgeholfen, die Äste abzuaxten und die Teile, die nicht für unsere Blockhütte geeignet sind kleinzumachen.

Ja, genau, gefällt wurden die Bäume, weil wir diesen Herbst eine Blockhütte bauen wollen. Aus eigenen Baumstämmen.

Das Huhn dagegen wurde bereits heute abend verspeist. Und nein, ich habe nicht davon probiert. Aber ich bin ja auch Vegetarier :)

Und nein, ich möchte doch nicht versuchen ein Tier zu töten, um zu schauen, ob ich es dann essen mag… zumindest nicht so bald.